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Ich wünsch mir ein Stückchen "Leben"

Es ist 2:37 Uhr. Für mich die beste Zeit spazieren zu gehen. Alleine schon diese Tatsache, so banal sie auch klingen mag zeigt mir, dass ich wieder an einem Punkt angekommen bin, an dem ich schon vor knapp 15 Jahren war.

Heute bin ich mir nicht mehr so sicher, ob es wirklich so gut für mich war, diese Phase durch Verdrängen hinter mich gebracht und die folgenden Jahre mehr oder weniger erfolgreich gelebt zu haben. Genau das ist der Punkt, ich habe nicht gelebt, ich habe mir ein Leben erträumt. Habe mich treiben lassen mit dem Strom und mir sogar einreden können, dass es mir gut geht.

Meine ständigen Ängste und Sorgen sah ich als normal an. Da muss wohl jeder durch, sagte ich mir. Die anderen schaffen ihr Leben doch auch, sie genießen es sogar. Teilweise konnte ich es auch genießen, so ist es ja nicht. Aber eben nur dann, wenn ich meinem Alltag eine Zeitlang entfliehen konnte. Für diese Flucht habe ich die Möglichkeit des Reisens gewählt. Je weiter ich von zuhause weg war, desto mehr konnte ich mich entspannen, abschalten … in Wahrheit war es nur eine Möglichkeit zu verdrängen. Ich habe mir in dieser Zeit mein Verhalten schön geredet. Ich war sehr kreativ im Finden von Gründen, mich zu rechtfertigen. Diese Rechtfertigungen hatten nur leider nie etwas mit der Wahrheit zu tun. Das schlimme ist, ich habe mir selbst all die Lügen geglaubt.

Und wohin hat es mich gebracht? Nur zu der Erkenntnis, wieder am Anfang zu stehen  mit dem einzigen Unterschied, jetzt nicht mehr wegsehen zu können.

Nein, so stimmt das nicht. Ich habe wieder versucht wegzusehen, ich hätte es wahrscheinlich sogar wieder geschafft. Aber jetzt will ich nicht mehr. Es hat lange gedauert, aber ich habe erkannt, dass ich hinsehen muss, dass ich hinterfragen muss, mich erinnern muss, lernen muss mich zu verstehen, mein oftmals falsches Handeln und meine Gedanken verstehen lernen muss… Ich muss zurückgehen und nach dem Ursprung all es Übels zu suchen, das jetzt mein Sein bestimmt. Leben, möchte ich es eigentlich nicht nennen.

Ich habe noch nie in meinem Leben, mit einem Menschen darüber gesprochen, was in mir vorgeht, wie es mir geht. Was wahrscheinlich daran lag, dass es mich selbst nicht interessiert hat. Ich wollte es nicht wissen. Also worüber hätte ich reden sollen. Wie hätte ich auch Verständnis von anderen erwarten können, wenn ich aus „bewusst“  gewählter Blindheit selbst keine Ahnung mehr hatte, was ich fühlte, was ich dachte, was ich mir wünschte …  Wozu sollte ich Kontakt mit Menschen aufnehmen, wenn ich selbst nicht wusste, wer ich bin. Wer nicht weiß, wer er ist, wer nicht einmal seine Existenz bewusst wahrnehmen will, der kann keine sozialen Kontakte knüpfen. Ich habe mich zum „Nichts“ gemacht.

 

 

Ich weiß nicht, ob es irgendjemanden wirklich interessiert, wer ich bin. Aber ich habe gelernt, dass es für mich selbst wichtig ist, mich kennenzulernen. Ich fürchte nur, dass ich dazu lernen muss über mich nachzudenken und über mich zu sprechen.

Der erste Schritt ist gemacht. Es fällt mir wirklich schwer, diesen Text abzuschicken. Es ist fast so, als würde ich mich entblößen. Es macht mir Angst, weil es mich verletzlich macht.

 

Wenn sich irgendjemand durch den Text gequält hat, bedanke ich mich.

 Silence

Liebe Silence,

als ich diesem Forum beigetreten bin, habe ich es nicht einmal geschafft, die Schritte für die Anmeldung fertig zu stellen. Der Admin dieser Webseite hat die Registrierung von sich aus zu Ende gebracht, und meinen Account von sich aus scharf geschaltet, wofür ich ihm noch heute unendlich dankbar bin.

Und dann habe ich allen Ernstes mehr als 4 Monate dazu gebraucht, um von den Möglichkeiten dieser Seite Gebrauch zu machen. Was ich damit sagen will: Ich kann verstehen, welchen Mut Du aufbringen musstest, um Dich an die „Öffentlichkeit“ zu wagen. Und ich finde es toll, dass Du das geschafft hast. Gegen alle inneren Widerstände, die ich selbst einmal habe überwinden müssen, bevor ich hier Fuß gefasst habe.

Es hat mir keine Schwierigkeiten bereitet, Deinen Gedanken zu folgen. Von daher kann an dieser Stelle überhaupt keine Rede von Qual sein. Ich kann mich sogar an diversen Abschnitten in Deinem Leben, sprich Abschnitten in diesem Deinem Beitrag, wiederfinden. Insbesondere, was die Verdrängung betrifft. Und bitte glaube mir, dass ich dabei ebenfalls äußerst kreativ war, ohne auf nähere Einzelheiten eingehen zu wollen.

Ich kann sogar Deine Selbstkritik nachvollziehen, an der ich mir gegenüber auch nicht gespart habe, und an der ich offensichtlich immer noch große „Freude“ zu haben scheine, denn sie begleitet mich bis heute durch mein Leben.

Ich frage mich nur, warum Du so streng mit Dir umgehst. Ich bin der Meinung, dass Du gnädiger mit Dir selbst sein darfst, denn, was immer Dein Trauma ist, oder vielleicht Traumata?, alles, was Du getan hast, um diese(s) zu überleben, war gerechtfertigt.

Das „Problem“ mit den Überlebensmechanismen ist nur, dass sie nicht einfach verschwinden, wenn die traumatisierenden Umstände endlich ein Ende finden. Sie bleiben so lange erhalten, bis sie von dem/der Traumatisierten und der sie empathisch begleitenden Person aufgelöst werden können. Erst danach ist ein Leben möglich, wie immer das Deine auch aussehen soll, welches Du Dir erträumst.

Ich bin der Ansicht, dass Du auf Deine Kreativität stolz sein darfst, denn sie hat es Dir, und dem verletzten Kind in Dir, ermöglicht, zu überleben, was immer Dir auch angetan worden ist.

In diesem Sinne: Herzlich Willkommen in diesem Forum und Deinem zukünftigen Leben. Ohne den Überlebens-Modus.

GLG Cyborg

 

Hallo Cyborg,

ich danke dir für deine einfühlsamen Worte.

Warum ich so streng zu mir bin? So streng finde ich das gar nicht, eigentlich sogar zu wenig streng. Ich ärgere mich gerade jetzt schon wieder über mich, wenn ich meinen Text lese. Er beinhaltet nämlich absolut nichts von dem, worüber ich schreiben wollte. Ich schreibe ellenlang um das Thema herum, das mich beschäftigt und komme nicht zum Punkt. Ich hasse es, ich hasse diesen Teil von mir, der mir verbieten will, in mich vorzudringen, zurückzugehen und mich endlich zu erinnern. Also hasse ich mich dafür. Es kotzt mich an. Besonders weil ich endlich zu ahnen scheine, was ich tun muss und so unfähig bin, mein Vorhaben dann in die Tat umzusetzen.

Diese verfluchte Schutztaktik, das Versteckspiel und die Blindheit, die meine Sinne zeitweise komplett abschaltet, haben mit Selbstschutz nichts mehr zu tun. Nein, sie lassen mich alles zerstören. 

Es lässt mich alles positive in meinem Leben töten und Menschen die ich liebe, verletzen. 

Nur weil dieses saudumme schwarze Etwas in mir glaubt, mich ständig vor irgendwelchen emotionalen Katastrophen beschützen zu müssen. Wo ist denn das bitte Schutz? Ich mache mir alles selbst kaputt und es tut genauso weh. Seit ich verstehe, was da in mir passiert und ich es trotzdem nicht kontrollieren kann, tut es sogar noch mehr weh, weil ich weiß, dass ich der Zerstörer bin. Nicht, wie es mir mein Innerstes immer weismachen wollte, die anderen, das Leben selbst, Gott oder wer oder was auch immer. 

Es ist leichter das "Böse" und Zerstörerische, das Verletzende und Egoistische in anderen zu suchen, als die Augen aufzumachen, um zu erkennen, dass es in einem selbst schlummert. Ja, diese Erkenntnis habe ich schon vor einiger Zeit gewonnen. Aber als Meister im verdrängen, habe ich es wieder einmal verdrängt.

Was bin ich denn? Ich habe mittlerweile das Gefühl "Zwei" zu sein.... zwei Seelen wohnen in meiner Brust. 

Die eine, die ich schon lange für tot gehalten habe, ist noch da. Sie ist aktiv, sie hat Wünsche, sie kann fühlen, lieben und hoffen. Aber sie darf es nicht. Die andere, ich nenne sie jetzt einfach mal "schwarze Seele" oder "böses Ich" verbietet es ihr. Dieser verhasste Teil nutzt die Unsicherheit und den Wunsch nach Sicherheit und Schutz meines wahren Ichs aus, indem es ständig schlechte Gedanken schickt, haltlose Wahnvorstellungen. Es unterstellt anderen mich nur verletzen zu wollen....

Ich will das nicht mehr!!! Ich hasse ES! Aber das hilft mir nicht, weil ich immer noch nicht weiß, wie ich ES töten kann. Und all diese Wut und dieser Hass, die in mir hochkommen, bedeuten nur wieder einen Sieg für das "böse Ich".

Ich spiele gegen mich selbst, wie sollte ich da gewinnen?

Silence

Liebe Silence,

es zerreißt mir das Herz, wenn ich das hier lese.

Ich fürchte, Du wirst noch mehr Geduld mit Dir selbst haben müssen. Erst einmal annehmen müssen, was mit Dir ist und wie es ist. Und bitte glaube mir: Ich weiß wovon ich spreche. Hass und Wut sind seit Jahrzehnten meine ständigen und "treuen" Begleiter. Und damit andere nicht darunter leiden müssen, richte ich sie in der Hauptsache auf mich, damit niemand anders zu Schaden kommt.

Das ist mir nicht immer gelungen, so sehr ich mir auch immer gewünscht habe, das "liebe" Kind zu sein, das meine Erzeuger postuliert und versucht haben, es in mich hinein zu dreschen. Ich hasse mich bis heute dafür, dass es mir nie gelungen ist, meine eigenen existenziellen Bedürfnisse zu verleugnen und sie auszulöschen. Betäuben ja, aber niemals sie zu vernichten. Wann immer die Betäubung ihr Ende gefunden haben, waren sie wieder da. Und jedes Mal klarer und fordernder.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du den oder die "richtige" Begleiter/in finden wirst, der/die Dir empathisch zur Seite steht, damit Du Dich nicht mehr hasst.

glg und viel Geduld mit Dir und Deinem verletzten Kind in Dir wünscht Dir

Cyborg

hallo Silence,

Wenn ich mir durchlese was Du schreibst, habe ich das Gefühl es selber geschrieben zu haben. Denn genau so denke ich. Auch ich habe ständig das Gefühl es leben 2 Seelen in mir und die eine versucht die andere zu zerstören. Ich zweifle jeden Tag ja fast jede Minute! Ein Teil von mir weis was gut  für mich ist der andere Teil möchte genau das nicht zu lassen! 

Leider kann ich Dir keinen vernünftigen Tip geben , denn ich habe selber die Lösung noch nicht gefunden. 

Versuch durch zu halten und lass auch positive Gefühle zu. Du kannst es schaffen! 

LG Auszeit

Hey Cyborg! 

Es fällt mir schwer mir vorzustellen, diesen Selbsthass jemals loslassen zu können. Ich weiß, dass es mir nichts bringt und nach jedem durchkotzen Tag oder irgendwelchen sinnlosen Ritzereien, die zwar die innere Spannung vorübergehend etwas mildern, ärgere ich mich über mich selbst. 

Wenn ich nur unterscheiden könnte, welcher meiner beiden Ichs gerade versucht etwas zu entscheiden oder etwas ablehnt .... aber so ist irgendwie jede Entscheidung falsch. Ach ich weiß auch ...

Vielen Dank jedenfalls für deine Worte.

Ich bewundere deine Stärke.

LG Silence

Liebe Auszeit!

Es tut mir unheimlich leid für dich, dass du dieses Gefühl von Zerrissenheit auch aushalten musst. Trotzdem tut es mir gut, mich verstanden zu fühlen.

Vielen lieben Dank für deine Worte und dass du dir Zeit genommen hast, meine Chaosgedanken zu lesen.

Ich wünsche dir viel Kraft und hoffe, dass du es schaffst für dich eine "Lösung" zu finden.

LG 

Silence :)