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Ich will endlich leben!

Liebe alle,

auch auf die Gefahr hin, dass mein Text jetzt etwas länger wird. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich diese Sachen so aufschreibe und mit anderen teile...

...aber es geht gerade nicht mehr anders...

Was führt mich also her?

eigentlich bin ich schon als Kind hochgradig depressiv gewesen und im Alter von vier Jahren das erste Mal von zu Hause abgehauen. Damals schnappte ich mir meine Stoffhäsin, die kleine Makomora, und wir zogen um die Häuser. Irgendwann griffen meine Großeltern mich wieder auf und setzten mich zu Hause ab. Und die Hölle begann von Neuem. Bereits im Säuglingsalter bin ich misshandelt und missbraucht worden. Mein Vater war schwerst Alkoholabhängig und meine Mutter - so weiß ich heute - hat eine narzisstische Persönlichkeitsstörung oder zumindest Züge. Demnach gab es keine Erwachsene, an die ich mich wenden konnte. Auch das Jugendamt und die Schule schritten in all den Jahren nicht ein. Jeder Fehler wurde bei uns zu Hause bestraft. Es gab ein Schlägekonto, welches am Sonntag immer eingelöst worden ist. Man variierte in Härte, Anzahl und Brutalität. Im Alter von neun Jahren versuchte ich mir das erste Mal das Leben zu nehmen. Erfolglos.

Erneut wurde mein Körper durch die Wohnung geschleudert, mein Kopf in die Ecken getreten...Narben, die nie verheilen werden. Diese Phase zog sich bis zu meinem 13 Lebensjahr. Im Alter von 14 Jahren starb mein Vater und meine Hölle begann von Neuem. Der neue Partner meiner Mutter schlug heftiger und knallte mich schließlich durch eine Glasscheibe. Auch bei dem Versuch in einem Kinderheim unterzukommen, half man mir nicht, da meine Mutter ein Dr. vor dem Namen trägt und man ihr mehr Glauben schenkte, als mir. Sozialarbeiter und Polizei prallten an den Argumenten ab. Meine restliche Familie hielt sich bedeckt, obwohl ich auch hier händeringend nach Unterstützung suchte. Fehlanzeige. Erneut packte ich meine Sachen, versuchte abzuhauen, schwänzte die Schule. Es interessierte niemanden.

Schließlich setzte mich meine Mutter nun auch "offziell" auf die Straße. Aber ich wollte mehr. Ich wollte meinen Schulabschluss machen, studieren und endlich leben. Stück für Stück kämpfte ich mich in mein Leben zurück, ging wieder zur Schule und schaffte auch mein Abitur. In dieser Zeit unterstützte mich meine Mutter minimal - in dem Rahmen halt, so dass das Jugendamt nicht einschreiten konnte. Doch die Zahlungen verwandelten sich schnell zum Druckmittel und ich wusste oft nicht, ob mich das Geld am Anfang des Monats erreichen wird, oder ob sie gerade irgendwelche neuen Gedanken hat. Also ging ich arbeiten, lernte nachts und brach unter allem kurz vor dem Abitur schließlich zusammen. Ich glitt in eine anorektische Bulimie ab, die mich fortan 10 Jahre begleiten sollte. Nach dem Abitur begab ich mich dann in eine Klinik und kämpfte! Bei einem Körpergewicht von knapp 34 Kg musste ich mich entscheiden: Leben oder wirklich sterben. Ich entschied mich wieder für das Leben - und es sollte tatsächlich einige Zeit aufwärts gehen. Die ganze Zeit im Krankenhaus gab es ebenfalls keine Familie und sehr, sehr wenig Freunde...

Und, ich habe es geschafft...

Im Alter von 25 Jahren begann ich dann tatsächlich mein Studium. Nach vielen Ängsten - allem voran Prüfungsängsten - habe ich auch das geschafft. Das war im vergangenen Jahr. Und seitdem hänge ich in dem größten Gedankentief meines Lebens fest. Jede Nacht begleiten mich Flashbacks, heftige Selbstzweifel, Antriebslosigkeit und ein Gefühl der totalen Lähmung. Dies wurde befeuert von einer ergebnislosen Suche nach einem Job. Ein Projekt, welches ich natürlich auch weiterhin angehe. Selbstverständlich habe ich mir erneut Unterstützung gesucht - auch während meines Studiums machte ich eine zweijährige Psychoanalyse - aber das hilft alles nur noch bedingt. Oft kommen Worte wie: "Sie sind zu therapierfahren"; "Ich bin nicht der/die richtige Therapeutin". Das zieht verdammt runter. :-( Ich muss und will das schaffen, aber die Vergangenheit tut gerade sehr, sehr weh. Seit letztem Jahr habe ich mich komplett aus der Welt zurückgezogen und lebe hier in einer kleinen Wohnung, die ich nur noch in Notfällen verlasse. Ich habe das Gefühl, dass ich innerlich langsam sterbe. Deshalb jetzt eben auch die Anmeldung in diesem Forum. Ich bin einfach nur noch müde, traurig und mein Leben sitzt wie ein tiefer und bohrender Stachel in mir...

Herzlich
Childina

Hey, ich weiß dein Beitrag ist schon über einen Monat her, aber ich bin neue hier und habe es gerade erst entdeckt.

als erstes will ich dir mal sagen: alle Achtung dass du trotz deiner schlimmen Kindheit den Kampf ums Leben bisher nicht aufgegeben hast und versucht hast für dich das Beste zu machen! Das verlangt eine enorme (innere) Stärke. Ich kenne das selber, leide auch an schweren Depressionen seit Jahren. Für mich selbst war das Kämpfen nie besonders in dem Moment - es war anstrengend und schwierig- , aber im Nachhinein war (bzw. Ist) es immer lohnenswert. Daher, falls es dir immer noch nicht besser gehen sollte, gib nicht auf, auch wenn es die "einfachere" Lösung wäre.. meine schlimmste und längste depressive Phase ging 1 Jahr lang in dem ich keinen Sinn mehr gesehen hatte und auch nur noch für das Nötigste aus dem Haus gegangen bin und mich sonst mit Filmen, Alkohol, Selbstverletzung und Schlafen abgelenkt habe. Aber trotzdem hat es sich gelohnt diese Zeit zu überstehen. Ich bin aus meinem Loch gekommen durch die Hilfe einer Therapie und weil ich wissen wollte, was das Leben noch zu bieten hat außer die miesen Seiten. 

Und da du bisher auch mehr wolltest vom Leben und dafür gekämpft hast,  hast du auf jeden Fall die Stärke weiter zu kämpfen und du wirst noch vieles erleben. Denk immer daran, was es noch schönes geben kann - und wenn es "nur" der Anblick von bunten Blumen ist oder einem Sonnenuntergang oder was auch immer dich faszinieren kann :) 

Aber vielleicht geht es dir ja mittlerweile schon wieder besser und du brauchst meine paar Ratschläge gar nicht - wäre natürlich super! :)
Liebe Grüße, Alaska